Die Microsoft Cloud-Transformation - ein Wegweiser
"5 Gründe, warum Du Dein Active Directory loswerden solltest."
"Lokale Infrastruktur ist so 90er - der Cloud gehört die Zukunft!"
"Wenn der Bagger Eure Leitung kappt, kann niemand mehr arbeiten."
Wenn man als Unternehmen noch lokale Infrastruktur einsetzt, bekommt man mit Blick auf die einschlägigen IT-Ratgeber und sozialen Netzwerke immer mehr den Eindruck, ein Dinosaurier zu sein. Man setzt veraltete Technologie ein, hat sehr viel mehr Aufwand und kann sich sowieso nicht gegen Angriffe oder Ausfälle schützen. Deswegen bitte alles in die Cloud verschieben und schon wird alles gut.
Es gibt nicht wenige Unternehmen, die diesem Heilsversprechen vertraut haben und dies nun aufgrund erheblich gestiegener Kosten bereuen.
Heißt das aber nun, dass die Cloud per se schlecht und immer teurer ist? Nicht unbedingt! Es macht eher deutlich, dass man sich genau überlegen sollte, WAS man in die Cloud überführt, WIE man das tut und vor allem, WARUM man es tut bzw. tun sollte.
Schauen wir uns dafür zunächst einige typische Argumente für den Wechsel zur Cloud an und wie es sich oftmals (nicht immer) in der Realität tatsächlich darstellt.
Eines vorweg: diese Artikelserie soll keine vollständige Argumentationskette für oder gegen den Einsatz von Cloud-Diensten liefern. Sie soll vielmehr ein Hilfsmittel für all diejenigen sein, die sich gerne damit beschäftigen würden, von der schieren Masse an Diensten und den zu erwartenden Neuerungen abgeschreckt werden.
Das Argument: weniger Wartungsaufwände

Eines der Hauptargumente für die Cloud ist, dass Wartungsaufwände für den Betrieb reduziert werden können. Einerseits ist dies richtig - man muss sich nicht mehr um die zugrundeliegende Infrastruktur wie Server, Stromversorgung, Kühlung, Zutrittssicherheit, usw. kümmern.
Andererseits entstehen neue bzw. andere Aufwände. Da die Cloud ständigen Änderungen unterliegt, muss man konstant ein Auge auf diese Veränderungen haben:
- Es kommen laufend neue Funktionen hinzu, dafür fallen andere weg.
- Dienste werden in gewissen Abständen überarbeitet, modernisiert oder völlig neu entwickelt.
- Cloud-Dienste unterliegen anderen/restriktiveren Sicherheitsanforderungen (als Beispiel seien Zertifikatslaufzeiten genannt, die mittlerweile drastisch verkürzt worden sind)
Ebenso muss das Wissen für den Betrieb erst einmal aufgebaut und dann konstant gepflegt werden. Dies ist zwar auch für lokale Infrastruktur der Fall, allerdings ändern sich Dinge hier üblicherweise nicht ganz so schnell.
Das Argument: bessere Reaktion auf Sicherheitsbedrohungen

Gerade in den letzten Jahren hat sich die Bedrohungslage erheblich verstärkt. Die Zeiten, in denen Infrastruktur und Systeme nur selten aktualisiert werden mussten, sind definitiv vorbei. Im Gegenteil muss man ständig und unmittelbar auf neue Bedrohungen reagieren, da sich Angreifer immer wieder neue und kreative Möglichkeiten ausdenken, um Schaden anzurichten.
Dementsprechend steigt auch die Anzahl der Systeme, die zur Abwehr oder zumindest Eindämmung solcher Angriffe benötigt werden. Für jedes dieser Systeme muss Wissen für Betrieb und Handhabung aufgebaut werden. Es gibt hierbei zwar Lösungen, die einen umfassenden Ansatz verfolgen, 100% Abdeckung werden dadurch jedoch üblicherweise nicht erreicht.
Bei cloudbasierten Diensten ist diese Problematik grundsätzlich auch vorhanden, allerdings im Vergleich geringer. Plattformen wie Microsoft Azure bündeln eine Vielzahl von Angeboten unter einem Dach und sind in der Lage, Daten aus all diesen Systemen zentral zu aggregieren (bspw. mit Microsoft Sentinel oder Defender XDR, je nach Ausbaustufe). Hierbei ist jedoch zu beachten, dass man sich gewissermaßen in die Hand eines Dienstleisters begibt und diesem dementsprechend einen Vertrauensvorschuss geben muss.
Das Argument: bessere Benutzererfahrung

Die Arbeitswelt hat sich spätestens mit der COVID-Pandemie sehr stark gewandelt. Während es früher eher exotisch anmutete oder ein Privileg höherer Unternehmensebenen war, von zu Hause zu arbeiten, ist dies heute ein nicht mehr wegzudenkender Teil einer hybriden Unternehmensstruktur.
Dies hat Unternehmen unvermittelt vor große Herausforderungen gestellt. Infrastrukturen waren damals nicht für großflächige Zugriffe von externen Standorten ausgelegt. Dies machte teilweise hohe Investitionen für Modernisierung und Ausbau erforderlich. Auch wurden neue Softwarelösungen erforderlich, um eine übergreifende Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Dies war im Grunde der Dosenöffner für Lösungen wie Microsoft 365 (insbesondere Teams) und Microsoft Azure. Teams wurde von Anfang an auf Zusammenarbeit ausgelegt und hat über die Jahre zahlreiche Verbesserungen und Überarbeitungen erfahren. Auch in Microsoft Azure kamen über die Jahre zahlreiche Dienste hinzu, um eine schrittweise Ablösung von lokal bereitgestellten Diensten zu ermöglichen, beispielsweise:
- Azure Update Manager statt Windows Server Update Services
- Azure-Dateifreigaben statt klassischer Windows Server-Dateifreigaben
- Azure Automation statt geplanter Aufgaben auf Windows Server
Solche Dienste können auch für Administratoren eine verbesserte Benutzererfahrung ermöglichen, da sie im Grunde nur konfiguriert werden müssen. Ein aufwendiger Aufbau sowie ein fortlaufender Betrieb der dahinterstehenden Systeme ist nicht erforderlich.
Die Praxis: Zurückhaltung
Während sich Microsoft 365 und Entra ID mittlerweile sehr weit verbreitet haben und intensiv genutzt werden, sieht die Realität bei Microsoft Azure (oder auch Plattformen wie Amazon Web Services und Google Cloud Platform) noch etwas anders aus. Hier sind Unternehmen oft zurückhaltend und nutzen die Plattform eher für Entwicklungsumgebungen. Gerade für Entwickler bieten diese Plattformen erhebliche Vorteile gegenüber klassischer Infrastruktur:
- Dienste können flexibel für einen gewissen Zeitraum ausprobiert und dann wieder storniert werden (sogenannte "Wegwerf-IT")
- Dienste können flexibel skaliert werden
- Die Bereitstellung funktioniert sehr viel schneller als mit lokaler Infrastruktur (wo eventuell komplexe Beantragungs- und Bereitstellungsprozesse verzögernd wirken)
Aus diesen Gründen werden solche Plattformen eher entwicklergetrieben eingeführt. Es ist jedoch eher selten, dass eine IT-Abteilung überlegt, wie sie klassische Infrastruktur durch Azure-Dienste ergänzen oder ablösen kann. Die Gründe dafür liegen auf der Hand:
- Die lokale Infrastruktur ist bereits vorhanden und bezahlt
- Die Dienste laufen wie gewünscht und erfüllen die Anforderungen
- Das Wissen für den Betrieb und die Überwachung der Infrastruktur ist etabliert
Auf den ersten Blick bietet ein Wechsel in die Cloud daher keine Vorteile:
- Es entstehen zusätzliche Kosten für die Bereitstellung der notwendigen Cloud-Dienste
- Es muss ständig mit Änderungen gerechnet werden, die Auswirkungen auf den Betrieb haben können
- Das Wissen für den Betrieb und die Überwachung der Cloud-Dienste muss neu aufgebaut werden
Das ist durchaus nachvollziehbar. Eine umfassende IT-Strategie muss jedoch alle Aspekte und Möglichkeiten umfassen, so dass stets adäquat auf neue Anforderungen reagiert werden kann.
Warum eine Cloud-Transformation?
Aus diesem Grund startet mit diesem Beitrag eine neue Artikelserie zum Thema "Cloud-Transformation". Diese soll einmal anschaulich zeigen,
- welche Möglichkeiten die Cloud bietet,
- wie sich klassische Infrastruktur durch Cloud-Dienste sinnvoll ergänzen oder auch ablösen lässt,
- welche Vor- und Nachteile der jeweilige Dienst im Vergleich zu klassischer Infrastruktur bietet,
- wie sich ein Unternehmen so Schritt für Schritt in Richtung einer reinen Cloud-Infrastruktur entwickeln kann.
Auf diese Weise wird die Überforderung, die sich angesichts der schieren Masse an verfügbaren Diensten einstellt, hoffentlich etwas reduziert. Und vielleicht hast Du an der einen oder anderen Stelle auch Deinen persönlichen "Aha"-Moment und erlebst, dass Azure eigentlich gar nicht so schlimm ist. 😉
Noch ein Hinweis: die Beiträge sind allesamt Praxiserfahrungen aus meinen Kundenprojekten. Dich erwartet also kein allgemeines Bla-Bla, sondern tatsächliche Implementierungen mit all ihren Ecken und Kanten. Und soviel sei gesagt: es ist natürlich nicht alles Gold, was glänzt. Aber mit der richtigen Unterstützung lassen sich diese Themen alle gut meistern!
Zu den Artikeln (geplant, Themen können sich noch ändern!):
Teil 1: Der Start: Bereitstellung eines Azure-Abonnements
Teil 2: Nur ich darf meine Ressourcen sehen - mit privatem Netzwerkzugriff
Teil 3: IP-Adressen sind 90er, DNS-Namen sind angesagt!
Teil 4: Benutzer-VPN, aber komfortabel - mit Entra-basierter Anmeldung
Teil 5: Wenn Teams nicht passt - Dateifreigaben aus der Cloud
Teil 6: Cloud-Skripte gehören in die Cloud!
Teil 7: Arbeitsgruppen-Server nerven - mit Azure Arc wird es besser.
Teil 8: Leb wohl, WSUS - willkommen, Azure Update Manager!
Teil 9: Sind unsere Server eigentlich alle gehärtet? Schauen wir nach!
Teil 10: Die Defender-Plattform kann mehr als nur Endpunkte
Teil 11: Aus der Praxis: wie ein Unternehmen komplett transformiert wurde
Gefällt Dir der Beitrag? Lass es andere wissen!


